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Vor genau einem Jahr haben wir Blanche zu Beginn ihrer Ausbildung zur Bauzeichnerin interviewt. Damals stand sie noch ganz am Anfang ihres beruflichen Weges. Heute, zwölf Monate später, haben wir uns erneut mit ihr zusammengesetzt. Wir wollten wissen, wie sie ihr erstes Lehrjahr erlebt hat, vor welchen Herausforderungen sie stand und welche neuen Fähigkeiten sie sich in der Zwischenzeit angeeignet hat. Im Interview gibt sie uns spannende Einblicke in ihren abwechslungsreichen Alltag zwischen Berufsschule, Büro und Baustelle.

Wenn du jetzt in ein paar kurzen Sätzen beschreiben müsstest, wie dieses erste Jahr deiner Ausbildung zur Bauzeichnerin für dich war, was würdest du sagen?

Für mich gab es in diesem Jahr unheimlich viele neue Informationen. Wir haben vieles zusammen in der Schule und auf der Arbeit besprochen. Ich habe hier im Betrieb auch Dinge gemacht, die ich in der Schule noch gar nicht gelernt hatte. Ab und zu war es auch challenging, einfach weil so extrem viele Informationen zusammenkamen, aber insgesamt lief das Jahr sehr gut für mich. Die Abstimmung zwischen Schule und Arbeit war interessant, da es zwei völlig verschiedene Arten zu arbeiten sind. Wir haben zum Beispiel Baumaterialien, die wir in der Theorie in der Schule besprochen haben, direkt auf der Arbeit genutzt. Meistens haben wir in der Schule Baupläne studiert und mehr über die Materialien gelernt, damit wir später im Büro oder auf der Baustelle über alles Bescheid wisse. In der Schule lernen wir also das Basiswissen, die theoretischen Grundlagen, die wir im Beruf direkt anwenden konnten.

Und du hast zwei Tage in der Woche Schule und bist drei Tage hier im Betrieb, richtig?

Ja, genau.

Was würdest du sagen, hast du am meisten gelernt? Welche konkreten Fähigkeiten hast du dir angeeignet?

Die wichtigste Fähigkeit war definitiv, selbstständig zu arbeiten. Es sitzt nicht ständig jemand neben mir, der mir jeden Schritt vorgibt oder alles im Blick hat. Ich musste lernen, offener zu werden und besser nachzufragen. Das war richtig gut für mich, weil es mich ermutigt hat, auf andere zuzugehen. Außerdem habe ich gelernt, selbstständig nachzudenken, mir Informationen selbst zu suchen und aus meinen eigenen Fehlern zu lernen, anstatt immer nur darauf zu warten, dass jemand mich korrigiert.

Was für Aufgaben bekommst du denn von deinen Kollegen und Kolleginnen?

Meistens arbeite ich an Detailplänen, bin aber auch in verschiedene andere Projekte involviert. Oft werde ich gebeten, bestimmte Details zu zeichnen, Schnitte anzufertigen oder Layouts zu erstellen, um die Projekte voranzubringen. Manchmal zeichne ich auch selbst Bauteile, die angefragt wurden, wie zum Beispiel Treppen, Geländer und solche Sachen.

Was gefällt dir an der Arbeit besonders gut und was vielleicht weniger?

Was mir richtig gut gefällt, ist, dass jeder Tag anders ist. Es wird wirklich nie langweilig. Was ich nicht so gerne mag, sind Momente, in denen ich nicht weiß, wie ich weiterkommen soll. Für mich ist das Schlimmste, wenn ich bei einer Aufgabe festhänge, blockiert bin und nicht weiterarbeiten kann. Das nervt mich, weil ich dann unproduktiv herumsitze und wieder jemanden fragen muss, was ich tun soll. Ansonsten freue ich mich aber, dass ich jeden Tag neue Dinge sehe, wie etwa Schulen, Museen oder ähnliche spannende Gebäude.

Wie viel Zeit verbringst du schätzungsweise hier im Büro und wie viel Zeit bist du draußen mit den Kollegen unterwegs?“

Ich habe eine feste Baustelle, auf die ich immer mittwochs fahre. Ansonsten fahre ich ab und zu auch dienstags mit auf andere Baustellen, wenn die Kollegen Zeit haben, mich mitzunehmen.

An welchen Projekten hast du bisher konkret mitgearbeitet?

Ganz am Anfang habe ich bei einem Projekt an einem Fliesenplan gearbeitet. Da bin ich aber recht schnell wieder ausgestiegen, weil der Einstieg in das Zeichenprogramm noch etwas zu schwer für mich war. Später habe ich dann an einem Projekt für ein Einfamilienhaus mitgearbeitet, bei dem es für mich primär um die Treppen ging. Das fiel mir schon viel leichter, weil ich durch den ersten Versuch mit dem Fliesenplan bereits wusste, wie die Software funktioniert. Die Aufgaben gingen mir da schon viel schneller von der Hand.

Gibt es ein Projekt, an dem du vielleicht nicht selbst gearbeitet hast, das du aber besonders cool fandest?

Ja, ich habe selbst nicht daran mitgearbeitet, aber ich würde wahnsinnig gerne beim Bau des Stadions in Hamm mitirken. Ich finde so ein komplexes Großprojekt extrem spannend. Die ganzen architektonischen Details zu zeichnen, stelle ich mir wahnsinnig interessant vor. Ich habe sogar schon mal einen Text für ein Buch über das Stadion geschrieben, weil ich die Architektur und die Formen dort einfach so faszinierend finde.

Vielleicht bist du ja beim nächsten Stadion dabei! Würdest du denn sagen, dass du bei deiner jetzigen Arbeit auch kreativ sein darfst, oder gibt es eher strikte Vorgaben, an die du dich halten musst?

Im Moment muss ich mich noch ziemlich genau an die Vorgaben halten, um so viel und präzise wie möglich zu lernen. Auf die echte kreative Freiheit muss ich wohl noch ein bisschen warten.

Wenn du jetzt nach einem Jahr zurückblickst: Ist die Ausbildung im Grunde so, wie du sie dir vorgestellt hast, oder anders?

Eigentlich hatte ich es mir fast genauso vorgestellt. Ich dachte nur, dass ich schneller eigene, richtige Projekte komplett alleine machen dürfte. Wenn man dann in der Praxis sieht, wie die erfahrenen Kollegen ein Projekt von null auf anfangen, merkt man erst, wie komplex das wirklich ist. In meinem Kopf dachte ich oft: 'Ach, das ist doch ganz einfach', aber ich merke jetzt, dass es immer anspruchsvoller wird.

Wenn du dich heute nochmal entscheiden müsstest – würdest du diesen Ausbildungsweg wieder wählen? Was würdest du jemandem raten, der überlegt, denselben Beruf zu erlernen?

Ja, auf jeden Fall! Ich würde der Person raten, am Anfang ganz viele Fragen zu stellen. Selbst wenn einem die Fragen dumm vorkommen – man sollte alles fragen, was einem in den Kopf kommt. Durch Nachfragen lernt man am Anfang am meisten, auch wenn man vielleicht etwas schüchtern ist. Und man muss sich Zeit nehmen. Es klappt nicht alles am ersten Tag und man darf nicht erwarten, sofort an den größten Projekten mitzuarbeiten. Man verbringt anfangs viel Zeit mit kleinen Plänen, und man muss diese Zeit nutzen, um die Details genau zu verstehen.

Eine letzte Frage noch: Wenn du dir die Technologien und Arbeitsweisen anschaust, die hier genutzt werden – gibt es da etwas, das du besonders beeindruckend findest?

Am Anfang wurde mir oft von 'BIM' (Building Information Modeling) erzählt. Zuerst klang das für mich nur nach trockener Theorie. Aber als ich dann in der Praxis gesehen habe, was man mit dieser Software alles machen kann, fand ich es extrem spannend. Es ist faszinierend zu sehen, wie man digitale Modelle aufbaut und plant, anstatt einfach nur vorgefertigte Dinge einzusetzen. In dieses Thema möchte ich mich definitiv noch tiefer einarbeiten.